Dies ist das Tal.

Sie nannten es Hope wie die Hoffnung, doch sie meinten Silber, Gold und Kohle. Der Boden nahm mehr, als er gab.

Er nahm Männer, die gruben, und gab sie nicht zurück. Er nahm Frauen und machte sie zu Witwen. Er nahm Städte und tränkte sie in Blut, so rot wie der Wein.

Doch schon die ersten Siedler spürten, dass hier etwas lebte, das älter war als ihre Städte, älter als ihre Kirchen, älter als ihre Bibeln.

Man taufte sie Kreaturen, denn sie gingen nackt im Blut ihrer Feinde. Man taufte sie Tiere, als hätten sie längst jede Menschlichkeit abgestreift. Man taufte sie Schatten, denn ihre Augen glühten und verrieten den Wahnsinn.

Manche lebten nun unter uns und eigneten sich unseren Glauben an, doch die Wälder werden erdrückender. Man schnitt Schneisen in ihr Fleisch, riss Kohle aus den Eingeweiden der Berge, und der Rauch legte sich wie ein schwarzes Gebet über die Täler. Das Wild wich zurück, die Flüsse trugen Asche, und die Stille der Wälder wurde gefüllt vom Eisen der Schiene, vom Knacken der Schüsse jener, die mehr nahmen als sie brauchten.

Doch im Schatten wuchs etwas nach, ungestört vom Axtschlag, älter als Eisen, älter als Rauch. Man hörte sie nachts, tief im Dickicht, wo das Licht erlischt – Stimmen wie aus einem Mund, der nie geboren wurde.

Die Städte wuchsen, die Züge fuhren, die Kirchen schlugen Glocken. Doch über allem lag ein Schatten, der mit jedem Jahr schwerer wurde. Nicht der Krieg, nicht das Gesetz brachte Hope Valley zu Fall – es war das Tal selbst.

Die Menschen sagen, Gott habe dieses Land verlassen. Andere, dass er es nie betreten hat. Und wieder andere, dass er einen Plan verfolgte, den niemand wissen will. Gottes Wege sind unergründlich – dies trifft auf Hope Valley zu.

Dieser Staat lebt. Doch er lebt wie ein offenes Grab. Und wer einmal seinen Staub an den Stiefeln trägt, der wird ihn nie wieder los.

— Ein Unbekannter Chronist über Hope Valley

Die Entstehung des Staates

Hope Valley wurde 1803 als Bundesstaat anerkannt. Es galt als Land des Überflusses: Kohle, Silber und Gold lagen fast offen im Boden, Flüsse und Wälder versprachen Nahrung und Handel. Händler, Glücksritter und Prediger strömten herbei, überzeugt, dass Gott dieses Land gesegnet habe.

So kam der erste Ansturm und Expansion. Es fühlte sich an wie das Paradies, doch bald erklangen Stimmen der Gier und die Menschen nahmen sich mehr, als ihnen zustand. Jetzt bezahlen sie den Preis.

Doch die Chronisten berichten auch von anderen Dingen: Siedler, die nachts von Schreien erzählten, von Flüssen, die nach Blut rochen, von Krankheiten, die plötzlich kamen und ebenso schnell verschwanden. Immer wieder sprach man von Orten, an denen „etwas nicht stimmt“ – und mancher Pfarrer flüsterte, dass dies kein gesegnetes Land sei, sondern ein geprüftes.

Eine Prüfung Gottes, die es zu überdauern gilt.

Warum Hope Valley gemieden wird

Andere Staaten erholten sich von Rückschlägen, bauten sich auf, fanden Ordnung. Hope Valley jedoch blieb immer ein Ort, der sich weigerte, geheilt zu werden.

Nicht nur Gier und Gewalt hielten es nieder – sondern ein unausgesprochenes Gefühl, dass das Land selbst seine Bewohner und deren Seelen frisst.

  • Minen, die mehr Menschen nahmen, als sie reich machten.
  • Sümpfe, in denen Nebel Stimmen trägt.
  • Städte, die blühten und plötzlich verfielen, ohne dass je jemand wusste, warum.
  • Flüsse, die erst Gold gaben und dann Leichen.

Die Union erkennt Hope Valley noch als Staat. Doch wenn man die Karten genau betrachtet, sieht man, wie der Rest des Landes das Tal meidet, als wäre es ein Riss in der Haut, die man ständig aufkratzt. Jeder Kratzer tiefer in die Kohleminen – ein Stochern in jener Wunde nach Befriedigung – doch man weiß, welche Narben es hinterlässt.

Orte & Städte

Saint Denis

Völlerei und Wollust

Saint Denis ist Tor zur Welt – Schiffe, Märkte, Opernhäuser, Bordelle. Es ist ein Fest, das nie endet. Doch Reichtum ist hier vergiftet.

Prediger sagen, dass die Stadt den Namen eines Heiligen trägt, der seinen Kopf verlor. Und dass Saint Denis selbst irgendwann den seinen verlieren wird. Denn was hier lebt, ist kein Glaube, sondern Gier, die sich in Wein und Fleisch kleidet. Während die Gesetzeshüter über der Stadt thronen wie Schutzengel, sehen sie doch kaum, was in den Gassen darunter geschieht – wo Hunger, Sünde und Blut unaufhörlich die wahren Gebete der Stadt singen.

Valentine

Zorn und Standhaftigkeit

Gegründet als Viehmarkt, wuchs Valentine durch Rinder und Pferde. Die Stadt überstand Feuer, Überfälle, Zerstörung – immer wieder bauten die Menschen sie auf. Gemeinschaft hält sie zusammen, die Kirche schlägt ihre Glocken, und doch liegt Gewalt in der Luft wie Staub. Jeder weiß: ein falsches Wort, und die Liebe wird zum Zorn.

Doch am Abend, wenn der Alkohol fließt, suhlen sich die Menschen im Schlamm wie die Schweine, die dort geschlachtet werden. Herzlich Willkommen in Valentine – benannt nach dem Schutzpatron der Liebenden. Doch Liebe kann erdrückend sein.

Rhodes

Neid und Blut

Rhodes wuchs auf Plantagen, die Baumwolle, später Kohle und Erz trugen. Familien bauten Reichtum, andere starben auf ihren Feldern. Brüder kämpften gegeneinander, Clans spalteten sich. Der rote Boden ist nass von Blut – man sagt, er sei deshalb so rot.

Wenn Nebel aufzieht, verschließen die Menschen ihre Türen, denn es gibt Dinge im Dunst, die keine Stimme haben sollten.

Annesburg

Trägheit und Rauch

Schon von weitem sieht man den Rauch, der über Annesburg hängt. Die Minen graben sich tief in die Erde, Männer arbeiten bis zum Tod, Kinder verlieren in der Dunkelheit ihr Gesicht. Über ihnen sitzen die Herren träge in ihren Häusern.

Manchmal erzählen Arbeiter, dass die Stollen Geräusche machen – nicht nur das Knacken von Holz. Und manchmal verschwinden Männer, ohne dass ihre Leichen je wieder gefunden werden. Oben im Licht zählen die Reichen nicht die Verluste, sondern wertvolle Steine.

Blackwater

Stolz und Schuld

Blackwater glänzt modern, jung, stolz. Doch auf heiligem Land gebaut, das den Ureinwohnern gehörte. Wälder wurden gefällt, und man sagt, die Bäume bluteten. Ein Feuer in den 1870ern brannte die Stadt fast nieder. Die Menschen reden nicht gern darüber – doch sie meiden den See bei Nacht. Schwarzes Wasser, sagen sie, birgt schwarze Seelen.

Tumbleweed

Verfall

Einst Tor des Handels in New Austin, blühend durch Erz und Gold. Doch die Bahn zog vorbei, und Tumbleweed starb. Heute nur Wind, Staub und Schatten. Türen schlagen, Saloons hallen leer, und manchmal hört man Stimmen, wo niemand ist.

Tumbleweed lebt noch, aber nur, weil es den Tod nicht anerkennt. Besudelt und umgarnt von Frevel und Untaten – eine Stadt, die zurückgegeben wurde an die Gesetzlosigkeit.

Armadillo

Strafe

Einst ein Ort voller Musik, mexikanischem Leben und Freude. Dann kam die Seuche. Straßen voller Leichen, Massengräber am Rand der Stadt. Wer überlebte, spricht nicht darüber. Manche sagen, das Wasser sei verdorben, andere, Gott habe es verflucht. Armadillo war ein krankes Herz in der Wüste, und das Herz wurde gewaltsam entrissen.

Fremde erzählen, dass Reiter schon vor der Krankheit kamen, in Uniformen, deren Knöpfe im Sonnenlicht brannten. Dass die Stille danach nicht vom Fieber herrührte. Und dass in den Gruben mehr liegt, als man zählen will. Erkauftes Schweigen – wer leben möchte, der spart am Atem.

Und nun stehen dort Spieltische, gezinkte Karten, Flaschen voller Staub. Soldaten führen die Aufsicht, Männer mit kalten Gesichtern, und wer verliert, verliert nicht nur sein Geld. Manche nennen es einen Sündenhof des Glücks, andere ein Massengrab mit Lichtern.

Strawberry

Schein und Wildnis

Strawberry wurde zerstört, dann wieder aufgebaut. Heute wirkt es friedlich, fast idyllisch. Fremde aus den Städten kommen, suchen Ruhe – oder Flucht. Doch die Berge und Wälder um Strawberry sind gnadenlos. Wölfe, Stürme, Flüsse nehmen Leben. Und manche schwören, dass die Wälder selbst ihre Opfer fordern.

Man lebt gänzlich in Abgeschiedenheit; hier rennt die Zeit nicht, sie tröpfelt langsam. Die Bewohner hören das Tropfen schon lang nicht mehr.

Van Horn

Maßlosigkeit

Ein Hafen ohne Gesetz. Trinker, Diebe, Mörder – Van Horn ist ein Kadaver, an dem die Aasgeier seit Jahren fressen. Über allem wacht der Leuchtturm, von dem man sagt, er sehe alles. Fremde, die gegen die Regeln verstoßen, verschwinden, und das Licht bleibt stumm, als sei es blind geboren.

Er leuchtet über die Bucht wie eine Witwe, die noch immer an der Küste steht, obwohl ihr Seemann niemals heimkehrt. Einst war die Stadt jung, doch nun trägt sie das Gesicht einer Greisin, und in den Falten ihres Körpers sammelt sich nur noch der Dreck dieser Stadt.

Thieves Landing

Schatten

Ein Fischerort am Wasser, auf den ersten Blick arm, heruntergekommen. Doch seit jeher Umschlagsplatz für Schmuggel, Menschen, Waffen. Die Bewohner wirken angespannt, niemand fragt, woher ihre Waren kommen.

Blackwater hasst den Ort, doch nie konnten sie ihn auslöschen. Er ist der Schatten Blackwaters – man kann ihn nicht vertreiben, er folgt dir auf Schritt und Tritt.

Little Creek

Gier

Am Fluss entstand ein Goldrausch. Zelte wurden zu Hütten, Hütten zu Häusern. Männer kamen, Familien zerbrachen. Der Fluss trägt Gold und Gier zugleich. Wer einmal dort gräbt, hört erst dann auf, wenn das Gewicht des Goldes so schwer wiegt, dass es dich im Fluss ertränkt.

Butchers Creek

Wahnsinn

Ein Dorf, gemieden von allen. Fremde sind nicht willkommen, Tiere verenden, Gräber namenlos. Ob bei Nacht oder am Tage – man hört die Schweine quieken, sie übertünchen die Schreie. Sie fressen alles, ob Haut oder Haar.

Die Menschen hier sind sonderbare Schlächter, mit Augen, die mehr vom Wahnsinn erzählen als vom Leben. Selten hat hier eine Blume die Chance zu erblühen.

Butchers Creek ist kein Dorf. Es ist eine Drohung.